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Geschichte

SYNOPSIS

Der Film entführt die Zuschauer in die Welt der Senntenbauern, deren Leistungen und Erfahrungen über Jahrhunderte die Generationen und das gesellschaftliche Leben in der Zentralschweiz prägten und deren Schaffen mit Freud und Leid für die Region verbunden war. Der Zuschauer taucht ein in die Geschichte der grossen Tradition des Viehhandels in der Zentralschweiz. Mit dokumentierten Fakten zur Historie, mit Landschaftsbildern vom Weg über den Gotthard, mit bewegenden Geschichten aus der damaligen Zeit, mit einem interessantem Bezug zur Aktualität sowie Interviews begleitet der Film die Zuschauer auf eine spannende (Sennten-)Reise über den Gotthard ins „Welsche“. Als roter Faden wird im Film die Novelle von Meinrad Lienert «Tönis Brautfahrt» erzählt. Diese perfekte Parallelgeschichte lässt den Zuschauer Historisches authentisch erleben.

WARUM DIESER FILM?

Es ist der Weg durch die sagenumwobene Schöllenen-Schlucht im Gotthardmassiv, der ab dem 13. Jahrhundert die Ausfuhr von Schwyzer Vieh in den Süden ermöglichte. Die sogenannten Senntenfahrten bedeuteten Jahrhunderte lang Einkommen und Wachstum für Tausende Familien in der Innerschweiz. Heute ist jedoch kaum noch bekannt, wie und weshalb der Grossviehhandel zu grossen Errungenschaften verholfen und sich massgeblich positiv auf den Landeswohlstand ausgewirkt hat. Dieses Gewerbe hatte während Jahrhunderten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene die Entwicklung nicht nur regional, sondern auch national und sogar auf europäischem Parkett beeinflusst (z.B. Handelsabkommen, Zollgebühren, Staatsverträge, etc.). Ein zweites grosses Gewerbe unserer historischen Strassen, das Säumertum, ist besser bekannt und wurde deshalb auch schon mehrfach in Print, Bild und Ton dokumentiert. Erstaunlicherweise gibt es vom Kulturerbe Senntenfahrten (Welschlandfahrten) sehr wenig erhaltene Dokumente, geschweige denn wurde es bis jetzt filmdokumentarisch festgehalten. In diesem Sinne geht es bei diesem Film auch darum eine bedeutende Tradition, die langsam vergessen geht, nicht nur für kommende Generationen zu dokumentieren, sondern auch dem heutigen Publikum Geschichte erlebbar zu machen. Denn Geschichte ist in und die Auseinandersetzung damit nachhaltig.

GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

Das Leben der Senntenbauern und Viehzüchter der Innerschweiz war vom 13. Jahrhundert bis Ende des 19. Jahrhunderts dem Viehzucht-Export gewidmet. Der Kanton Schwyz ist noch heute reich an «gutgräsigen» Weiden und ertragreichen Futterwiesen vor allem in den Höhen. Bis ins letzte Jahrhundert waren die Talwiesen wenig ertragreich und das Futter für die Überwinterung war oft knapp. Es war daher naheliegend, dass im Herbst nach dem Alpsommer und vor dem Einwintern möglichst viel Vieh verkauft werden musste. Der Erlös aus den Viehverkäufen war auch oft die einzige Einnahmequelle der Bauern. Bis zur Mitte des vorletzten Jahrhunderts waren weitgehend der Tessin und die Lombardei Absatzgebiet dieser Viehwirtschaft. Der Historiker Gerold Meyer von Knonau (1804-1858) berichtet in der Publikation über den Kanton Schwyz (Der Kanton Schwyz, aus dem Sammelwerk «Historisch-statistisches Gemälde der Schweiz», St. Gallen und Bern 1835), dass jährlich 4000 bis 5000 Stück Vieh (andere Quellen nennen sogar bis 10’000 Tiere) die Reise über den Gotthard in Angriff nahmen. Eine Sennte Vieh bestand aus etwa 30-40 Stück Kühe und Rinder.